{"id":1146,"date":"2019-02-13T06:00:15","date_gmt":"2019-02-13T04:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=1146"},"modified":"2021-01-12T13:40:09","modified_gmt":"2021-01-12T11:40:09","slug":"husch-husch-husch-die-eisenbahn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=1146","title":{"rendered":"Husch, husch, husch, die Eisenbahn\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eHusch, husch die Eisenbahn, wer will mit nach Frankfurt fahr\u2018n?\u201c so hat mein Opa mir oft vorgesungen. Damals war die Eisenbahn Lebensader f\u00fcr die Wetterau: Tonnenweise wurden Zuckerr\u00fcben zur Zuckerfabrik nach Friedberg gerollt, hunderte Pendler bestiegen t\u00e4glich die Bahn Richtung Frankfurt und f\u00fcr Arztbesuche und Eink\u00e4ufe konnte jedermann die Horloff &#8211; talbahn nutzen. Aber ab 1981 wurden die Zuckerr\u00fcben mit LKWs nach Gro\u00df Gerau gebracht und 2003 war dann endg\u00fcltig Schluss f\u00fcr den gesamten Bahnverkehr zwischen W\u00f6lfersheim und Hungen. Die Bahnlinie rechnete sich finanziell nicht mehr und, was die wenigsten wissen, die Bahnlinie war als Nachschublinie f\u00fcr den Kriegsfall gedacht, weil mit ihr die Versorgung des sogenannten \u201eFulda Gaps\u201c m\u00f6glich war, der eine Aufmarschl\u00fccke f\u00fcr russische Panzer in der Westverteidigung darstellte. Und sp\u00e4testens nach dem Fall der Mauer hat man an einen dauerhaften Frieden geglaubt. Selbst daf\u00fcr schien die Bahn nun nutzlos.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Schlie\u00dfung der Bahnlinie 31 \u2013 ein gro\u00dfer Fehler\u201c! fanden schon damals die SPD-Kommunalpolitiker von W\u00f6lfersheim. Gerhard Herbert, fr\u00fcherer ehrenamtlicher Beigeordneter der Gemeinde W\u00f6lfersheim und sp\u00e4terer B\u00fcrgermeister von Heppenheim, hatte von 1989-93 mit weiteren B\u00fcrgern (hier seien stellvertretend Fam. Wallesch und Schleuning genannt) mit einer damals ungew\u00f6hnlichen Protestform f\u00fcr den Erhalt der Bahnlinie gek\u00e4mpft. An der Tankstelle Ortseingang Dorheim hing ein gro\u00dfes Banner mit dem Slogan: \u201eLieber Bahn fahren als Schlange stehen!\u201c Im Hintergrund eine selbstgemalte Giftschlange. In der Folge stellte die SPD in der W\u00f6lfersheimer Gemeindevertretung den Antrag zur Anschaffung des Trieb wagens VT 628 f\u00fcr den Strecken abschnitt Friedberg-W\u00f6lfersheim, so dass wenigstens dieser Teil der Strecke aktiviert blieb. Die Gemeinde W\u00f6lfersheim beteiligte sich mit 80.000 DM an den Kosten. Hungen hatte damals wenig Interesse an der Bahnlinie, weil diese mitten durch die Stadt f\u00fchrend h\u00e4ufige Ursache f\u00fcr unangenehme R\u00fcckstaus auf der Stra\u00dfe war und leider noch immer ist. <strong>Aber die Einsicht kam: Im Jahr 2011 erwarben W\u00f6lfersheim und Hungen unter B\u00fcrgermeister Rouven K\u00f6tter die Bahnstrecke bis Hungen (Kosten des W\u00f6lfersheimer Anteils: 170.000 Euro). So wurde die Entwidmung verhindert und die Chance zur Reaktivierung gewahrt.<\/strong><\/p>\n<p>Sonst w\u00e4re die Strecke n\u00e4mlich abgebaut und die Grundst\u00fccke zerteilt und verkauft worden. Der Ankauf des Bahn hofs im Jahre 2012 hat die Gemeinde W\u00f6lfersheim dann noch einmal 120.000 Euro gekostet. Dies erweist sich heute ebenfalls als kluge Entscheidung. Vorausschauendes politisches Wagnis hat es \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich gemacht, dass man heute von einer Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen W\u00f6lfersheim und Hungen tr\u00e4umen darf.<\/p>\n<p>Die Automobil-Euphorie der 80er und 90er Jahre hat angesichts des drohenden Verkehrskollapses im Gro\u00dfraum Frankfurt ein Ende gefunden. Wer t\u00e4glich morgens und abends zwischen Rhein-Main-Region und Umland pendelt, wei\u00df nur zu gut, dass das Autofahren hier seinen Reiz verloren hat. Das hat nichts mehr mit Freude am Fahren und Genuss an der Technik zu tun. Das ist Stress pur bis hin zur Gesundheitsgef\u00e4hrdung und verlorene Zeit. Ein Pendelkollege beschrieb k\u00fcrzlich seine t\u00e4glichen Autofahrt von und nach Frankfurt so: \u201eDa hat die Schei\u00dfe den Ventilator erreicht!\u201c &#8211; Stop and Go, Stau, Unf\u00e4lle, Stress und Nerven krieg sind heute t\u00e4gliche Begleiterscheinung des Weges zur Arbeit. Dazu kommt noch eine unverantwortliche Umweltbelastung. Inzwischen ist Einsicht bis nach oben in die hessische Landesregierung gelangt, auch dank der unerm\u00fcdlichen Bem\u00fchungen der 2001 gegr\u00fcndeten \u201eArbeits gemeinschaft Horlofftalbahn\u201c. <\/p>\n<p>Die Wiederinbetriebnahme der 12 km langen Strecke zwischen W\u00f6lfersheim und Hungen k\u00f6nnte letztlich eine durchgehende Verbindung zwischen Lich\/Hungen bis nach Frankfurt mit einer Zeitersparnis von 30 Minuten erm\u00f6glichen. Das w\u00fcrde die Stra\u00dfenverbindungen entlasten und gleichzeitig die Luftverschmutzung durch Autoabgase verringern. Die gesch\u00e4tzten zuk\u00fcnftigen Fahrgastzahlen rechtfertigen die erwarteten Kosten von rund 21 Mio. Euro. Das wird sicherlich keine schnelle Verwirklichung: Die ohnehin vernachl\u00e4ssigten Bahn\u00fcberg\u00e4nge, die Sicherungstechnik und die Gleise m\u00fcssen grundlegend erneuert werden. Der Bahnhof Hungen wurde im Jahr 2017 saniert. Einer der drei Bahnsteige soll zuk\u00fcnftig von der Horlofftalbahn genutzt werden. Der W\u00f6lfersheimer Bahnhof ist gerade im Umbau und ein Bahnsteig ist bereits auf modernstem Stand erneuert. Vor der Wiederaufnahme des Betriebs muss noch der Bahnhof Beienheim auf signaltechnischer Seite modernisiert werden. Die Zustiegsm\u00f6glichkeiten zwischen W\u00f6lfersheim und Hungen und Stra\u00dfenquerungen m\u00fcssen erneuert bzw. evtl sogar erst geschaffen werden. Da k\u00f6nnte man angesichts der Schwierigkeiten fast verzagen. Ich halte es aber lieber mit dem r\u00f6mischen Philosophen Seneca (4. Jh.v. Chr.), der meinte: \u201eNicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.\u201c <\/p>\n<p>F\u00fcr die Kinder zwischen hier und Hungen wird das alte Kinderlied hoffentlich bald wieder einen Sinn machen. Aber wie erkl\u00e4rt man seinen Enkeln das \u201ehusch, husch, husch\u201c, wenn die Eisenbahn dieses Ger\u00e4usch mangels Dampf gar nicht mehr macht? Die W\u00f6lfersheimer SPD jedenfalls steht<br \/>\ngen\u00fcgend unter Dampf, da wird das B\u00e4hnchen schon noch fahren, oder?<\/p>\n<p><strong>Karl Ernst Pulkert<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/05-karl-ernst-pulkert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/05-karl-ernst-pulkert.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"193\" class=\"alignleft size-full wp-image-679\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHusch, husch die Eisenbahn, wer will mit nach Frankfurt fahr\u2018n?\u201c so hat mein Opa mir oft vorgesungen. 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