{"id":136,"date":"2014-11-07T14:07:07","date_gmt":"2014-11-07T12:07:07","guid":{"rendered":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=136"},"modified":"2014-11-07T14:11:08","modified_gmt":"2014-11-07T12:11:08","slug":"beschaeftigung-fuer-fluechtlinge-ein-spd-antrag-im-gemeindeparlament","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=136","title":{"rendered":"Besch\u00e4ftigung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge: ein SPD-Antrag im Gemeindeparlament"},"content":{"rendered":"<p>Es muss einem schon das Wasser bis zur Unterlippe schwappen, bevor man seine Habseligkeiten in einen Beutel packt, eine Wasserflasche f\u00fcllt, mit seinen Ersparnissen einen Z\u00f6llner besticht und seine Familie, seine Freunde, seine Heimat heimlich auf unsicheren Schleichpfaden verl\u00e4sst. Dennoch versuchen tausende Fl\u00fcchtlinge in der Hoffnung auf ein menschenw\u00fcrdiges Leben in Sicherheit nach Europa zu fl\u00fcchten. In ihren Heimatl\u00e4ndern herrscht Armut, Hunger, Gewalt, Krieg, Verfolgung und Arbeitslosigkeit. Die Reise nach Europa ist ungewiss, langwierig und gef\u00e4hrlich. Und Schlepper verlangen bis zu 10.000 Dollar pro Person. Fl\u00fcchtlinge, die die Grenzen \u00fcberwunden haben und bis zu uns gelangt sind, k\u00f6nnen einen Asylantrag stellen. Sie werden dann zun\u00e4chst in eine Erstaufnahmeeinrichtung (z.B. nach Gie\u00dfen) geschickt, ein gro\u00dfes Gel\u00e4nde mit Polizei, Arzt, Kantine und Schlafs\u00e4len oder auch Zelten. Sie werden dort registriert und von der Asylbeh\u00f6rde \u00fcber ihre Fluchtgr\u00fcnde befragt. Eine Aufenthaltsgestattung erlaubt ihnen solange in Deutschland zu bleiben, bis \u00fcber den Asylantrag entschieden ist. Nach drei Monaten in der Erstaufnahmeeinrichtung werden sie nach einem streng-geregelten Verteilungsschl\u00fcssel einem Kreis und einer Stadt bzw. Gemeinde zugewiesen. Manche Fl\u00fcchtlinge bitten darum, dort untergebracht zu werden, wo bereits Verwandte leben.\u00a0Dies geht aber nur bei Ehepartnern und minderj\u00e4hrigen Kindern. Die allermeisten Fl\u00fcchtlinge kommen aus Eritrea (Gewaltherrschaft), Syrien (B\u00fcrgerkrieg), Afghanistan (instabile Republik) und Somalia (B\u00fcrgerkrieg).<\/p>\n<p>Anfangs \u00fcberwiegt bei den Fl\u00fcchtlingen das Gef\u00fchl endlich in Sicherheit zu sein, bevor die Sorge um die Zur\u00fcckgebliebenen in der Heimat und die Ungewissheit \u00fcber die Zukunft wieder in den Vordergrund treten. Das H\u00e4ndi ist f\u00fcr die Asylsuchenden oft die einzige Kontaktm\u00f6glichkeit in der Heimat. Telefoniert wird zu ungew\u00f6hnlichen Zeiten, denn in Ostafrika ist die Uhr unserer Zeit 3 Stunden voraus. Der Fernseher hilft den Fl\u00fcchtlingen dabei unsere westlich-europ\u00e4ische Kultur zu begreifen und die Sprache zu verstehen. F\u00fcr die Hilfesuchenden aus den fernen L\u00e4ndern muss unsere Lebensweise wohl ein heftiger Kulturschock sein. Ganz abgesehen von der ungewohnten Umgebung und den klimatischen Bedingungen sind unser Wohlstand und unser sorgloser Alltag f\u00fcr viele Fl\u00fcchtlinge schwer zu begreifen. Damit die Menschen sich zurecht finden lernen, haben sich in W\u00f6lfersheim B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auf ehrenamtlicher Basis zu einem \u201eRunden Tisch\u201c zusammengefunden. Dort wird koordiniert und besprochen, wie unsere Fl\u00fcchtlinge konkret unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Daraus ist in bewundernswerter Weise uneigenn\u00fctzige praktische Hilfe geworden: regelm\u00e4\u00dfige Deutschkurse, Fahrradfahren sowie Verkehrsregeln werden ge\u00fcbt, Beh\u00f6rdeng\u00e4nge und Arztbesuche organisiert, auch beim Umgang mit Geld, beim Einkaufen, und beim Besorgen von Kleidung wird geholfen. Vor diesen engagierten W\u00f6lfersheimer Helfern wollen wir hier unseren \u201eHut ziehen\u201c und ihnen ganz laut \u201eDANKE\u201c sagen.<\/p>\n<p>Trotz der Unterst\u00fctzung wird den Fl\u00fcchtlingen der Tag, die Woche, der Monat doch lang, denn neben diesen Aktivit\u00e4ten und Fernsehen gucken und telefonieren gibt es keine Besch\u00e4ftigung f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge. Asylbewerber\/Fl\u00fcchtlinge d\u00fcrfen 3 Monate lang (fr\u00fcher 9 Monate) keinerlei regul\u00e4re Arbeit verrichten. Deshalb hat die SPD-Fraktion in der Gemeinderatssitzung am 13.Oktober per Dringlichkeitsantrag den Gemeindevorstand (oberstes ausf\u00fchrendes Organ der Gemeinde) aufgefordert zu pr\u00fcfen, ob und inwieweit es m\u00f6glich ist, den W\u00f6lfersheimer Asylbewerbern gemeinn\u00fctzige T\u00e4tigkeiten auf freiwilliger Basis anzubieten. Alle anderen Fraktionen, au\u00dfer nat\u00fcrlich den kackfarbenen Blut- und Boden-Gestrigen, stimmten dem Antrag der SPD zu. Mit einer Erg\u00e4nzung der FWG-Fraktion wurde daraus ein gutes P\u00e4ckchen f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge in W\u00f6lfersheim.<\/p>\n<p>Laut Gesetz m\u00fcssen diese T\u00e4tigkeiten \u201egemeinn\u00fctzig\u201c und \u201ezus\u00e4tzlich\u201c sein und d\u00fcrfen keine regul\u00e4ren Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrden oder Profit f\u00fcr Firma bzw. Privatleute erwirtschaften. Es wird also keinesfalls jemandem ein Arbeitsplatz weggenommen.<\/p>\n<p>Nach dem Vorbild anderer Gemeinden k\u00f6nnen wir uns z.B. folgende T\u00e4tigkeiten vorstellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Au\u00dfenarbeiten bei Gemeindeh\u00e4usern und Kindertagesst\u00e4tten<\/li>\n<li>Hilfen bei den Kirchengemeinden, AWO, DRK<\/li>\n<li>Gemeindeverwaltung: Hilfen beim Kuvertieren von Serienbriefen, usw.<\/li>\n<li>Hilfen bei Objektbetreuern (St\u00fchle stellen oder wegr\u00e4umen, usw.)<\/li>\n<li>Hilfen in B\u00fcchereien usw.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In unserer Antragsbegr\u00fcndung berufen wir uns auf das in der Menschenrechtserkl\u00e4rung formulierte Recht auf Arbeit. Gerade Fl\u00fcchtlinge leiden neben Verfolgung und Erniedrigung massiv unter dem Verlust ihrer Heimat und ihres sozialen und kulturellen R\u00fcckhaltes. Ein t\u00e4tigkeitsloses Vor-sich- hin-Leben verhindert Anpassung und Integration. Eine sinnvolle Besch\u00e4ftigung erm\u00f6glicht auch gegenseitige Achtung nach dem Motto \u201eWir helfen euch, ihr helft uns!\u201c Die Bev\u00f6lkerung sieht dann, dass sich die Asylbewerber durch ihre Arbeit in die Gemeinschaft einbringen. Es ergeben sich Anl\u00e4sse zu Begegnungen. So erhoffen wir uns ein m\u00f6glichst friedvolles Miteinander in W\u00f6lfersheim. Und viele von uns werden, wenn man nachforscht, in ihrer eigenen Familie auf eine \u00e4hnlich f\u00fcrchterliche Vergangenheit von Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit sto\u00dfen wie sie sich leider heute \u00e4hnlich grausam wiederholt.<\/p>\n<p>Wer sich auf das Wagnis einlassen m\u00f6chte, zu erfahren, wie es einem Fl\u00fcchtling ergehen kann, der kann das unter <strong><em>www.lastexitflucht.org<\/em><\/strong> (\u201egottseidsank spielerisch\u201c) nachvollziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urheberrecht:<a href=\"http:\/\/de.123rf.com\/profile_ftlaudgirl\">ftlaudgirl \/ 123RF Stockfoto<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss einem schon das Wasser bis zur Unterlippe schwappen, bevor man seine Habseligkeiten in einen Beutel packt, eine Wasserflasche f\u00fcllt, mit seinen Ersparnissen einen Z\u00f6llner besticht und seine Familie, seine Freunde, seine Heimat heimlich auf unsicheren Schleichpfaden verl\u00e4sst. 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