{"id":497,"date":"2016-08-01T23:59:56","date_gmt":"2016-08-01T21:59:56","guid":{"rendered":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=497"},"modified":"2018-01-05T12:22:32","modified_gmt":"2018-01-05T10:22:32","slug":"fluechtlinge-und-frankfurter-wollen-denn-alle-bei-uns-wohnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/spdwoelfersheim.de\/?p=497","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge und Frankfurter \u2013 wollen denn alle bei uns wohnen?"},"content":{"rendered":"<p><b>Ein Gespr\u00e4ch mit unserem B\u00fcrgermeister Rouven K\u00f6tter zur aktuellen Fl\u00fcchtlingssituation und k\u00fcnftigen Neubaugebieten in W\u00f6lfersheim<\/p>\n<p>B\u00fcrgergespr\u00e4ch: Herr B\u00fcrgermeister K\u00f6tter, vor etwa einem Jahr haben wir uns \u00fcber den enormen Anstieg der Fl\u00fcchtlingszahlen unterhalten. Wie ist die aktuelle Lage diesbez\u00fcglich in unserer Gemeinde?<\/b><\/p>\n<p><u>B\u00fcrgermeister K\u00f6tter:<\/u> Die Zahl der Fl\u00fcchtlinge, die uns zugewiesen werden, hat sich stark reduziert. Im zweiten Quartal waren es bislang lediglich drei Personen. Insgesamt sind in unserer Gemeinde momentan 107 Personen in kommunalen Geb\u00e4uden untergebracht und etwa 25 Personen in einer Unterkunft des Wetteraukreises. Dank der engagierten Gemeindemitarbeiter und insbesondere auch des gro\u00dfen ehrenamtlichen Engagements l\u00e4uft die Unterbringung und Betreuung gut. Es war meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, nicht auf Container oder gro\u00dfe Sammelunterk\u00fcnfte zu setzen, sondern die Fl\u00fcchtlinge im gesamten Gemeindegebiet verteilt in normalen Wohnh\u00e4usern unterzubringen. Das erleichtert das Einf\u00fcgen in die Nachbarschaft und die dortige Akzeptanz. Auch finanziell war es eine kluge Entscheidung.<\/p>\n<p><b>Warum das? Es wurde doch sehr viel Geld f\u00fcr H\u00e4user ausgegeben.<\/b><\/p>\n<p>Das stimmt. Aber dieses Geld ist nicht verloren, sondern wurde in Immobilien investiert. Diese verlieren nicht an Wert, sondern steigern diesen dank der Wohnungsnot im Rhein-Main-Gebiet und der niedrigen Zinsen f\u00fcr Geldanlagen sogar. Wir haben keine Container auf irgendwelchen Parkpl\u00e4tzen stehen, die wir dann mit gro\u00dfem Wertverlust wieder ver\u00e4u\u00dfern m\u00fcssen. Wir haben normale Zweifamilienh\u00e4user gekauft, nutzen diese nun f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingsunterbringung und k\u00f6nnen sie zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt als regul\u00e4re Mietsh\u00e4user nutzen oder wieder ohne Verluste ver\u00e4u\u00dfern, da bin ich mir sicher.<\/p>\n<p><b>Aber was ist mit den laufenden Kosten? Renovierungsarbeiten, Energie und so weiter?<\/b><\/p>\n<p>Wir bekommen vom Wetteraukreis eine finanzielle Pauschale f\u00fcr jeden untergebrachten Fl\u00fcchtling. Damit k\u00f6nnen wir diese Kosten gut abdecken. Was leider nicht bezahlt werden kann, ist das au\u00dferordentliche Engagement der Ehrenamtlichen und auch die zus\u00e4tzliche Arbeit f\u00fcr Rathaus und Bauhof darf ich nicht reinrechnen. Insgesamt kann man aber festhalten, dass die Unterbringung in W\u00f6lfersheim sehr gut l\u00e4uft, von allen Parteien im Gemeindeparlament mitgetragen wird und f\u00fcr unsere B\u00fcrger zu keinen Einschr\u00e4nkungen gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><b>Sie sprachen eben den Wohnungsdruck im Rhein-Main-Gebiet an. Wird es auch in W\u00f6lfersheim weitere Neubaugebiete geben?<\/b><\/p>\n<p>Wir wollen in den kommenden Jahren den n\u00e4chsten Erweiterungsschritt der S\u00f6deler \u201eF\u00fcllgesg\u00e4rten\u201c in Richtung Melbach anpacken und auch die geplanten kleineren Baugebiete in Berstadt (Am Teich) und in Wohnbach (In der Bitz und Kammerg\u00e4rten) auf den Weg bringen.<\/p>\n<p><b>M\u00fcssen wir denn wirklich unseren wertvollen Ackerboden zupflastern, um Wohnraum f\u00fcr Leute aus Frankfurt, Bad Homburg oder Offenbach zu schaffen?<\/b><\/p>\n<p>Sie haben absolut Recht, unsere Ackerb\u00f6den haben eine herausragende Qualit\u00e4t und wir m\u00fcssen daher bei jeder Entscheidung besonders sorgf\u00e4ltig die verschiedenen Interessen abw\u00e4gen. Die Entwicklung neuer Baugebiete in unserer Gemeinde geschieht jedoch nicht, um anderen etwas Gutes zu tun. Wir wollen diese Gebiete aus reinem Eigeninteresse f\u00fcr unsere Gemeinde entwickeln. Die Erfahrung der letzten Baugebiete hat gezeigt, dass etwa 50 % der Baupl\u00e4tze an Einheimische ver\u00e4u\u00dfert werden, die aus dem Elternhaus rausgewachsen sind, gerade eine eigene Familie gr\u00fcnden und ihre Kinder gerne dort aufziehen m\u00f6chten, wo sie selber gro\u00df geworden sind. Wenn wir keinen bezahlbaren Wohnraum zur Verf\u00fcgung stellen, verlieren wir diese Mitb\u00fcrger, die gerne hier wohnen wollen und meist bestens ins Ortsgeschehen und das Vereinsleben integriert sind. Das wollen und m\u00fcssen wir verhindern, um unsere Ortsgemeinschaft am Leben zu halten. Wir brauchen aber auch die 50 % aus anderen Kommunen, auch aus dem Zentrum der Region.<\/p>\n<p><b>Warum das? Was nutzt es uns denn, wenn ein Frankfurter die vergleichsweise billigen Baulandpreise bei uns nutzt und dann doch den ganzen Tag zum Arbeiten in Frankfurt ist?<\/b><\/p>\n<p>Unsere Gemeinde hat eine f\u00fcr unsere Gr\u00f6\u00dfe herausragende Infrastruktur mit Kinderg\u00e4rten in allen Ortsteilen, Betreuungspl\u00e4tzen ab dem ersten Lebensjahr, einer gemeinsamen Grundschule, einer Kooperativen Gesamtschule mit Oberstufe, Einkaufs- und Dienstleistungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr nahezu alles, was man im t\u00e4glichen Leben braucht, Schienenverkehr ab W\u00f6lfersheim-S\u00f6del in Richtung Zentrum der Region, Allgemeinmedizinern, sogar einem Augenarzt, Apotheken, Banken, die nicht nur aus Geldautomaten bestehen, sondern auch mit Personal besetzt sind, einem umfangreichen Kulturangebot und vielem mehr. Damit das auch in Zukunft so bleibt, brauchen wir Menschen, die all das nutzen und somit wirtschaftlich tragbar machen. Unsere j\u00e4hrlichen Geburten fangen die j\u00e4hrlichen Todesf\u00e4lle nicht auf. Wir brauchen Zuzug, um unsere Bev\u00f6lkerungsgr\u00f6\u00dfe zu halten und somit gen\u00fcgend Kunden und Nutzer f\u00fcr all das oben aufgez\u00e4hlte zu haben.<\/p>\n<p><b>Was w\u00fcrde mit unserer Gemeinde passieren, wenn niemand mehr herziehen w\u00fcrde?<\/b><\/p>\n<p>Wenn niemand mehr zu uns zieht und wir davon ausgehen, dass auch niemand wegzieht, h\u00e4tten wir nur Ver\u00e4nderungen durch Geburten und Todesf\u00e4lle. Dann w\u00fcrden wir j\u00e4hrlich um etwa 30 bis 50 Personen schrumpfen. Wir m\u00fcssten Kinderg\u00e4rten und B\u00fcrgerh\u00e4user in Ortsteilen schlie\u00dfen und zentral b\u00fcndeln. Ob das Schulangebot in der jetzigen Form aufrechterhalten werden k\u00f6nnte ist fraglich und nach und nach w\u00fcrden auch die letzten Gesch\u00e4fte und Dienstleister aus unserer Gemeinde verschwinden. Wenn dies geschieht, ziehen weniger Unternehmen zu uns, der Wirtschaftsstandort wird unattraktiver, Arbeitspl\u00e4tze gehen verloren und jungen Menschen fehlt somit die Zukunftsperspektive. Diese Entwicklung ist nicht ausgedacht, sondern in vielen Ortschaften im Osten Deutschlands aber auch in Teilen Hessens zu beobachten. Ich k\u00f6nnte diese Gedanken nun weiterf\u00fchren, hin zu sozialen Problemen und Kriminalit\u00e4t, aber ich denke die Botschaft ist auch so klar: Unseren t\u00e4glichen Lebensstandard k\u00f6nnen wir nur dann halten, wenn wir Menschen die M\u00f6glichkeit bieten, zu uns zu ziehen. Dies gelingt nur zum Teil innerhalb unserer Ortschaften, wir brauchen auch Neubaugebiete. Wenn wir uns einigeln und abschotten, haben wir bereits verloren. Die demografischen Zahlen lassen da keinen Zweifel zu.<\/p>\n<p><b>K\u00f6nnen wir also bald mit weiteren Neubaugebieten rechnen, die Sie oben noch nicht genannt haben?<\/b><\/p>\n<p>Nein. Wie bei vielen Fragen gilt auch hier: Ein gesundes Ma\u00df ist wichtig. Es bringt gar nichts, wenn wir nun auf Teufel komm raus Neubaugebiete entwickeln und die Ortsgemeinschaft mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten kann. W\u00f6lfersheim ist aufgrund unserer guten Infrastruktur und der N\u00e4he zu Frankfurt ein absolut gefragter und attraktiver Wohnstandort. Wir sind aber auch eine d\u00f6rflich gepr\u00e4gte Gemeinde und diesen Charakter wollen wir erhalten. Dies ist eine schwierige Gratwanderung, die uns bislang jedoch gut gelingt. Damit dies so bleibt, werden wir auch k\u00fcnftig Neubaugebiete nur ma\u00dfvoll und vertr\u00e4glich ausweisen und vermarkten. Dann erhalten wir W\u00f6lfersheim f\u00fcr die B\u00fcrger unserer Gemeinde als liebens- und lebenswerten Wohnort im gr\u00fcnen Norden der Region Frankfurt-Rhein-Main.<\/p>\n<p><b>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gespr\u00e4ch mit unserem B\u00fcrgermeister Rouven K\u00f6tter zur aktuellen Fl\u00fcchtlingssituation und k\u00fcnftigen Neubaugebieten in W\u00f6lfersheim B\u00fcrgergespr\u00e4ch: Herr B\u00fcrgermeister K\u00f6tter, vor etwa einem Jahr haben wir uns \u00fcber den enormen Anstieg der Fl\u00fcchtlingszahlen unterhalten. Wie ist die aktuelle Lage diesbez\u00fcglich in unserer Gemeinde? 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