Mitreden, Mitgestalten – Wie junge Stimmen Wölfersheim bewegen

Im Wahlpflichtkurs „Talk your town & Demokratie leben, Diktatur erinnern“ an der Singbergschule in Wölfersheim beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler nicht nur theoretisch mit Politik und Demokratiebildung, sondern bringen sich ganz praktisch in die Gemeindepolitik ein.

Unter dem Motto „Mitreden. Mitgestalten. Wölfersheim!“ wollte der Kurs herausfinden was junge Menschen in Wölfersheim bewegt, welche Themen ihnen wichtig sind und welche konkreten Erwartungen sie an die Lokalpolitik haben. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses sollten zum Abschluss ihre Erkenntnisse und Perspektiven direkt in einem politischen Gremium präsentieren und sich den Fragen der Politiker stellen.

Die demokratischen Parteien haben diese Form der niederschwelligen Beteiligung junger Menschen in der Lokalpolitik im Parlament befürwortet und die Wölfersheimer SPD hat die Idee aktiv vorangetrieben.

Die Umfrage: Was bewegt die Jugend in Wölfersheim?

Mit viel Engagement organisierten die Schülerinnen und Schüler eine eigene Umfrage unter rund 250 Schülerinnen und Schülern zwischen 12 und 18 Jahren innerhalb der Singbergschule. „Es war großartig zu sehen, dass sich so viele einbringen wollten“, freut sich eine Teilnehmerin.

Die Ergebnisse wurden im Kurs ausgewertet: Besonders häufig wurden Wünsche nach mehr Freizeitangeboten, zusätzlichen Aufenthaltsorten, Cafés und Orte zum Lernen sowie besseren Busverbindungen geäußert. Vor allem der Wölfersheimer See spielt eine zentrale Rolle, da er für viele ein wichtiger Ort der Freizeitgestaltung ist. Hier wünschen sich etliche Jugendliche mehr Sitzmöglichkeiten, Treffpunkte und Angebote für Schülerinnen und Schüler rund um die Veranstaltungsreihe „Sommer am See“.

Auch im Bereich Verkehr gibt es klare Forderungen. Schülerinnen und Schüler berichten von unpraktischen Busverbindungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Schulweg. Verbesserungen in diesem Bereich werden daher als besonders dringend wahrgenommen. Darüber hinaus wurden konkrete Ideen, wie zusätzliche Zebrastreifen an stark frequentierten Straßen genannt.

Natürlich gab es auch Forderungen nach Fastfood-Ketten oder einem Schwimmbad. Der Kurs entschied jedoch, sich in der Ausarbeitung auf die realistisch umsetzbaren Themen zu konzentrieren.

Jugendliche wissen, was sie wollen – Demokratie zum Anfassen

Neben der Umfrage und deren Auswertung gehörten auch die Vorbereitung und Präsentation der Ergebnisse im Ausschuss zu den Aufgaben der Schülerinnen und Schüler. Als besondere Herausforderung empfanden viele die Organisation der Umfrage, sowie die Auswertung der Ergebnisse, das Zusammenfassen und die Formulierung klarer Wünsche aus den Stimmen der Schülerinnen und Schüler. Es sei nicht einfach gewesen, „herauszufiltern, welche Ideen realistisch sind, und wie man sie am besten präsentiert“, so ein Teilnehmer des Kurses. Dennoch beschreiben die Jugendlichen das Projekt als spannende und bereichernde Erfahrung. „Das Zusammenarbeiten im Team und gemeinsam Ideen auszuarbeiten, war für mich eine der interessantesten Erfahrungen,“ bewertet eine Schülerin den Kurs.

Die Teilnehmer wollen sich auch zukünftig aktiv für Veränderungen einsetzen. „Am wichtigsten sind mir die Busverbindungen“, schreibt ein Schüler. „Man könnte beispielsweise eine Petition starten und mit den Verantwortlichen sprechen.“ Ein anderer sieht seinen Einfluss vor allem im schulischen Kontext und möchte sich in der Schülervertretung für mehr Mitbestimmung einsetzen.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema Demokratie – nicht nur als politisches System, sondern als gelebte Praxis, ist dabei ein wiederkehrendes Diskussionselement. Die Jugendlichen richten klare Erwartungen an die Verantwortlichen der Gemeindepolitik. Sie wünschen sich, dass ihre Anliegen ernst genommen und ihre Ideen tatsächlich in politische Entscheidungen einbezogen werden. „Demokratie bedeutet, dass jeder seine Meinung frei sagen darf und diese respektiert wird“, erklärt ein Schüler. „Die Wünsche der Bürger sollen gehört werden und Probleme gerecht und sinnvoll gelöst werden. Auch Jugendliche und ihre Bedürfnisse sollten ernst genommen werden“, formulieren die Teilnehmer ihre Hoffnungen.

Die Präsentation im Ausschuss war für die Kursteilnehmer ein gelungener Baustein auf diesem Weg. Für viele war es das erste Mal, dass sie ihre Ideen direkt vor politischen Entscheidungsträgern vorstellen konnten. Das direkte Feedback aus den Fraktionen war für sie ein wirkungsvolles Signal.

Fazit: Ein Projekt mit Zukunft

Das Projekt zeigt, die Schülerinnen und Schüler fühlen sich in Wölfersheim grundsätzlich wohl. Gleichzeitig sehen sie Potenzial für Verbesserungen. Entscheidend ist für sie, dass die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Gemeinde auch in Zukunft weitergeführt wird.

„Der WPU-Kurs zeigt eindrucksvoll, wie politische Bildung gelingen kann: durch Mitwirkung, Praxisnähe und echte Beteiligung. Die Jugendlichen erfahren, wie Demokratie funktioniert – sie gestalten aktiv mit,“ so Nina Gerlach, Vorsitzende des Sozialausschusses. „Wir erhoffen uns mit dem WPU-Kurs die Tür in die Politik zu öffnen und das Verständnis zu fördern, dass gerade auf der lokalen Ebene eine aktive Mitbestimmung möglich und wichtig ist,“ ergänzt Thomas Gerlach, Mitglied des Gemeindevorstands und ehemaliger langjähriger Schulleiter der Singbergschule.

„Natürlich würden wir uns wünschen, dass mehr junge Menschen, den Weg zu uns in die Politik finden, um aktiv mitzugestalten. Die Tür der demokratischen Parteien steht offen,“ so Nina Gerlach „aber wir wissen auch, dass politische Prozesse mit den Freizeitvorstellungen junger Leute selten deckungsgleich sind. Viele möchten ihre Freizeit lieber mit Freunden beim Sport verbringen, als sich durch Sitzungsunterlagen zu arbeiten. Dieser Kurs der Singbergschule und die Zusammenarbeit mit der Jugendpflege 4.0 öffnet einen Weg, Interesse an der Lokalpolitik zu wecken. Die ersten Schritte sind gemacht und wir hoffen, es geht im nächsten Schuljahr weiter,“ resümiert die Ausschussvorsitzende.

Ob der Kurs auch im nächsten Schuljahr angeboten wird, entscheidet die Schule und die Schülerinnen und Schüler, die den Kurs belegen wollen. Die Wölfersheimer SPD wird sich weiterhin für eine niederschwellige und direkte Beteiligungsform junger Menschen in der Gemeinde einsetzen:

Junge Stimmen gehören gehört – und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung unserer Gemeinde.